Sebastian Madsen ist eine der markantesten Stimmen der deutschen Indie-Rock-Szene – als Frontmann und Texter der Band Madsen seit über zwei Jahrzehnten ein fester Bestandteil des deutschen Rockzirkus, und seit 2022 auch als Solokünstler mit einem gänzlich anderen, deutlich intimeren Sound unterwegs. Wer Sebastian Madsen auf seine Rolle bei Madsen reduziert, verpasst die zweite, erstaunlich persönliche Facette eines Mannes, der in der Stille des Wendlands seinen eigenen Seelenfrieden in Soul und Pop gefunden hat.
| Künstlername/n: | Sebastian Madsen |
| Geboren als: | Sebastian Madsen |
| Geboren am: | 03.06.1981 in Prießeck (Wendland) |
| Staatsangehörigkeit: | Deutsch |
| Brüder: | Sascha Madsen 10.11.83 und Johannes Madson (21.01.79) |
| Solo-Debüt: | Ein Bisschen Seele, 30.09.2022 |
| Partnerin: | Lisa Who (geb. Lisa Nicklisch) |
| Vorbilder: | Amy Winehouse, Curtis Mayfield, die Beatles, Elvis Presley, Manfred Krug, The Clash. |
Persönliche Daten
Sebastian Madsen wächst in Prießeck auf, einem winzigen Ortsteil der Gemeinde Clenze im niedersächsischen Wendland – eine ländliche Idylle, so weit von den Musikmetropolen entfernt wie möglich, und doch der Ort, an dem alles beginnt. Er ist der älteste der drei musizierenden Madsen-Brüder, eng verbunden mit seiner Familie und bis heute dem Wendland tief verwurzelt: Wenn er nicht in Berlin ist, lebt er nach wie vor mit Eltern und Geschwistern zusammen auf dem Hof in der Heimat.
Privat ist Sebastian Madsen seit Jahren mit der Sängerin und Musikerin Lisa Nicklisch liiert, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Lisa Who – die beide nicht nur das Leben, sondern auch die Bühne miteinander teilen, denn Lisa Who spielte lange Zeit als Keyboarderin und Sängerin bei der Band Madsen. Sebastian Madsen ist kein Typ für große Inszenierungen oder Social-Media-Performances – er ist bodenständig, reflektiert und spricht in Interviews mit ungewöhnlicher Offenheit über Liebeskummer, Zweifel und die Frage, was es bedeutet, authentisch zu sein in einer Welt, die einem permanent zuruft, man solle „einfach man selbst sein“. Seine musikalischen Vorbilder reichen von Amy Winehouse und Curtis Mayfield über die Beatles und Elvis Presley bis hin zu Otis Redding, Donny Hathaway, Marvin Gaye und dem deutschen Chansonnier Manfred Krug – eine bemerkenswert breite und stilistisch tiefe Palette.
Vita
Die Geschichte von Sebastian Madsen beginnt in den frühen 1990er Jahren, als er gemeinsam mit seinen Brüdern Sascha und Johannes sowie Niko Maurer erste Schülerbands gründet. Sie spielen Punkrock, schreien gegen Bullenschweine und Krieg an, meist auf Deutsch, manchmal nach Nirvana-Einschlag auch auf Englisch. Der entscheidende Funke: Ein Familienausflug zum Hurricane Festival in Scheeßel. „Nach dem Wochenende wusste ich, dass ich auch mal da oben vor den Leuten spielen will“, erinnert sich Sebastian. Der Wunsch wird Programm.
2004 benennen sie sich in Madsen um – der Familienname wird zum Bandnamen – und schicken kurzerhand ein Demotape an Universal Music. Was wie eine naive Geste klingt, funktioniert tatsächlich: Der Plattenvertrag wird noch im selben Jahr unterzeichnet. 2005 erscheint das Debütalbum „Madsen“ mit den Singles „Perfektion“ und „Vielleicht“, die sofort zu Radio-Hits werden und die Band schlagartig bekannt machen. Der Sprung vom Wendland-Dorf in die deutschen Charts gelingt auf Anhieb und mit einer Selbstverständlichkeit, die die Branche überrascht.
In den folgenden Jahren etabliert sich Madsen als eine der beständigsten und respektiertesten deutschen Indie-Rock-Bands. Acht Studioalben, unzählige Touren, Festivalauftritte und eine Fanbase, die durch Jahrzehnte loyal bleibt. 2017 schreibt Sebastian Madsen zudem die Musik für das Soloalbum von Max Richard Leßmann, dem Sänger von Vierkanttretlager – ein Projekt, das stilistisch in Swing, Chanson und Weimarer-Schlager-Tradition verwurzelt ist und Madsens Weite als Komponist demonstriert.
Die Pandemie wird zum unfreiwilligen Wendepunkt für sein Soloschaffen: Im Lockdown, zugeschneit im Wendland, hört Sebastian Madsen tagelang Platten von Curtis Mayfield, Marvin Gaye, Donny Hathaway und Amy Winehouse. Sein Bruder Johannes ist ebenfalls da. Gemeinsam beginnen sie zu produzieren – zunächst ohne konkretes Ziel, dann mit wachsender Begeisterung. Liebeskummer – die räumliche Trennung von Lisa Who, die in Berlin lebt – gibt den emotionalen Treibstoff. Ein Soloalbum wächst heran, intime, verletzliche Songs, die mit dem Madsen-Sound kaum etwas gemein haben.
2022 startet er die Solokarriere offiziell, tritt beim Reeperbahn Festival in Hamburg auf, veröffentlicht das Debütalbum „Ein bisschen Seele“ am 30. September 2022 und spielt im Dezember ein ausverkauftes Konzert im Berliner Metropol. Parallel läuft Madsen weiter – 2023 erscheint das Band-Album „Hollywood“, 2024 setzt die Band mit dem politischen Statement „Faust hoch gegen Faschismus“ ein klares Zeichen gegen den Rechtsruck, und 2026 erscheint mit „Smile“ ein neues Madsen-Album, zu dem eine große Sommertournee quer durch den deutschsprachigen Raum geplant ist, u.a. mit einem Auftritt am 2. Oktober 2026 in Leipzig.
Debütsong (Solo)
Sebastian Madsens erste offizielle Solosingle erscheint am 27. Mai 2022: „Sei nur du selbst“ – ein leichtfüßiger Soul-Pop-Track mit Bläsern, Klaviermelodie und einem Gastauftritt von Drangsal, der sich mit einem simplen Anruf sofort bereit erklärt. Der Song nimmt einen der nervigsten Allgemeinplätze unserer Zeit – „Sei einfach du selbst!“ – und dreht ihn mit trockenem Sarkasmus um: Was bedeutet das eigentlich, und warum fühlt es sich trotzdem so schwer an? Liebeskummer steckt dahinter, aber auch eine grundsätzliche Reflexion über Identität und Selbstfindung.
Produziert im vertrauten Madsen-Studio im Wendland, gemeinsam mit Bruder Johannes, zeigt der Track sofort, wohin die Reise geht: weg vom Gitarren-Indie, hin zu warmen Arrangements mit Bläsern und Streichern, arrangiert vom Hamburger Markus Trockel. Ein bewusster Bruch mit allem, wofür Sebastian Madsen 18 Jahre lang stand – und genau deshalb ein mutiger, überzeugender Neustart.
Entwicklung
Madsens Bandgeschichte ist eine des kontinuierlichen Wachstums ohne Verrat an den eigenen Wurzeln. Von den druckvollen Punk-Indie-Anfängen 2005 über das politisch engagierte Album „Lichtjahre“ (2018), das Punk-Feuerwerk „Na gut dann nicht“ bis hin zu „Hollywood“ (2023) und „Smile“ (2026) bleibt der rote Faden immer erkennbar: deutschsprachige Texte, die wirklich etwas sagen, Gitarren mit Haltung, und eine Live-Band, die ihre Fans ernst nimmt.
Als Solokünstler vollzieht Sebastian Madsen 2022 einen radikalen Stilwechsel. „Ein bisschen Seele“ enthält neben der Debütsingle weitere Tracks wie „Immer nur am Handy“ – eine Kritik an Smartphone-Sucht, mit einem Liebeslied als Gegenbild – und „Ich löse mich auf“, das er gemeinsam mit Eva Briegel von der Band Juli einspielt, inspiriert von einer Szene aus „Zurück in die Zukunft“. Das Album ist ausgesprochen persönlich, eine Art musikalische Therapie, die ihn durch eine schwere Zeit trägt. Die Resonanz ist positiv, das Konzert im Metropol ausverkauft, und der Wunsch nach mehr Soloarbeit bleibt bestehen.
Bis 2026 verbindet Sebastian Madsen beide Karrierestränge: Madsen als Band auf großen Touren und Festivals, er selbst als Solokünstler mit intimem Soul-Pop-Sound. Zwei Welten, eine Person – und die Fähigkeit, in beiden überzeugend zu sein.
Genre – Musikstil
Als Madsen-Frontmann bewegt sich Sebastian Madsen im Indie-Rock, angereichert mit Punk, Alternative und gelegentlichen Pop-Momenten. Die Texte – fast ausschließlich auf Deutsch, von ihm selbst geschrieben – behandeln Alltagsbeobachtungen, zwischenmenschliche Konflikte, gesellschaftliche Kritik und die kleinen Dramen des Lebens mit einer Direktheit, die Madsen von vielen Zeitgenossen unterscheidet.
Als Solokünstler ist er in einem völlig anderen Terrain unterwegs: sanfter Soul mit Pop-Elementen, warme Bläser- und Streicher-Arrangements, Klavier als Herzstück, eine Stimme, die plötzlich flüstern darf, wo sie bei Madsen schreien würde. Einflüsse aus der amerikanischen Soul-Tradition der 1960er und 70er Jahre (Mayfield, Gaye, Hathaway) treffen auf deutschsprachige Texte mit literarischer Qualität. Das Ergebnis klingt so, als hätte jemand Manfred Krug mit Amy Winehouse in ein Studio im Wendland gesperrt – und dabei etwas Echtes entstehen lassen.
Stilistisches Markenzeichen: Ob mit Band oder allein – Sebastian Madsen schreibt immer über das, was ihn wirklich beschäftigt. Keine hohlen Phrasen, keine Trends, keine Kompromisse.
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