Kamila Walijewa

Kamila Walerjewna Walijewa ist eine russische Eiskunstläuferin, die innerhalb kürzester Zeit zu einem der bekanntesten und gleichzeitig tragischsten Gesichter des Weltsports wurde. Sie wurde am 26. April 2006 in Kasan, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan, geboren. Kasan ist eine Stadt an der Wolga, die für ihre kulturelle Vielfalt und sportliche Tradition bekannt ist – ein passendes Geburtsumfeld für ein Mädchen, das schon früh zeigen sollte, dass es zu Außergewöhnlichem fähig ist.

Künstlername/n:Kamila Walijewas – Kamila Valieva
Geboren als:Kamila Walerjewna Walijewa – Камила Валерьевна Валиева
Geboren am:26.04.2006 in Kasan (Russland)
Staatsangehörigkeit:Russisch
Größe:160
Disziplin:Einzellauf
Trainer:Eteri Tutberidse, Sergei Dudakow,
Daniil Gleichenhaus
Instagram:kamilavalieva26

Kamila wuchs in einer aktiven Familie auf. Ihre Eltern förderten von Beginn an ihre sportliche und künstlerische Entwicklung. Als Kind probierte sie verschiedene Aktivitäten aus – Ballett, rhythmische Sportgymnastik und Eiskunstlauf. Als ihre Mutter sie im Alter von fünf Jahren bat, sich auf eine Sportart zu konzentrieren, entschied sich Kamila ohne zu zögern für das Eiskunstlaufen. Diese Entscheidung sollte ihr Leben grundlegend prägen – mit allen Höhen und Tiefen, die folgen sollten.

Entdeckung

Kamila Walijewa begann ihre ersten Eiskunstlaufschritte bereits mit dreieinhalb Jahren in Kasan. 2012, im Alter von sechs Jahren, zog sie mit ihrer Familie nach Moskau, um sich intensiver dem Leistungssport widmen zu können. Dort fand sie schon früh Zugang zu erstklassigen Trainingseinrichtungen und entwickelte sich rasch zu einem außergewöhnlichen Talent.

Der entscheidende Schritt in ihrer Karriere erfolgte im Sommer 2018: Kamila wechselte zur weltberühmten Trainerin Eteri Tutberidse, die in der Sportwelt für ihre kompromisslose Methodik und ihre Fähigkeit, Ausnahmetalente zu formen, bekannt ist. Tutberidse erkannte sofort das Potenzial der jungen Läuferin und begann, ihr technisches und künstlerisches Können systematisch auszubauen.

Bereits in der Saison 2019/2020 sorgte Kamila weltweit für Aufmerksamkeit, als Aufnahmen ihres Kurzprogramms „Mädchen auf der Kugel“ – inspiriert von Pablo Picassos Gemälde – viral gingen. Sogar Diana Picasso, die Enkelin des großen Malers, wurde auf die Interpretation aufmerksam und gratulierte begeistert. Kamila war damals 13 Jahre alt.

Karriere

Der Aufstieg von Kamila Walijewa im Eiskunstlauf war beispiellos in seiner Geschwindigkeit und Brillanz. In der Saison 2019/2020 wurde sie zur Juniorenweltmeisterin und war die vierte Juniorin in der Geschichte, die bei einem Grand-Prix-Wettbewerb über 200 Punkte erzielte. Sie zeigte dabei Elemente, die bis dahin nur Männer beherrschten: Vierfachsprünge – ein Kunststück, das die Eiskunstlaufwelt revolutionieren sollte.

In der Saison 2021/2022 erreichte Kamila Walijewa den Zenit ihres sportlichen Schaffens. Im November 2021 stellte sie beim Rostelecom Cup gleich drei Weltrekorde auf: im Kurzprogramm (90,45 Punkte), in der Kür (185,29 Punkte) und in der Gesamtpunktzahl (272,71 Punkte). Im Januar 2022 gewann sie die Eiskunstlauf-Europameisterschaft mit einem weiteren Rekord im Kurzprogramm.

Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking war sie die unangefochtene Favoritin. Im Teamwettbewerb legte sie eine historische Kür hin: Sie war die erste Eiskunstläuferin überhaupt, die bei Olympischen Spielen einen Vierfachsprung zeigte – konkret einen vierfachen Salchow sowie einen vierfachen Toe-Loop und einen dreifachen Axel. Russland gewann Gold. Kamila Walijewa galt als kommender Superstar eines ganzen Sports.

Schwierige Zeiten

Was folgte, war ein weltweiter Skandal, der nicht nur die Karriere eines Teenagers erschütterte, sondern das gesamte Sportsystem auf den Prüfstand stellte. Noch während der Olympischen Spiele 2022 in Peking wurde bekannt, dass eine Dopingprobe Kamilas vom 25. Dezember 2021 positiv auf Trimetazidin getestet worden war – ein herzschützendes Medikament, das die Ausdauer steigert und im Leistungssport verboten ist.

Die damals erst 15-Jährige befand sich plötzlich im Zentrum eines internationalen Mediengewitters. Der Internationale Sportgerichtshof CAS erlaubte ihr zunächst als „geschützter Person“ (Minderjährige) die Teilnahme am Einzelwettbewerb. Doch der psychische Druck war enorm: Kamila, die zuvor mit spielerischer Leichtigkeit durch ihre Programme geglitten war, brach auf dem Eis ein. Sie fiel mehrfach und landete schließlich auf dem vierten Platz – ohne Medaille, unter Tränen, vor den Augen der gesamten Welt.

In den Folgemonaten kämpfte Kamila juristisch gegen die Vorwürfe. Die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA sprach sie zunächst 2023 frei und stellte fest, dass sie „keine Schuld oder Fahrlässigkeit“ treffe. Doch im Januar 2024 fällte der CAS ein endgültiges Urteil: vier Jahre Sperre, rückwirkend ab dem 25. Dezember 2021. Alle Ergebnisse seit diesem Datum wurden annulliert – einschließlich des Olympischen Teamgoldes und der Europameisterschaft. Mit 17 Jahren verlor sie alles, was sie sich erarbeitet hatte.

Die vier Jahre der Sperre waren eine harte Prüfung. Kamila war zwar jung genug, um sportlich ein Comeback zu wagen – aber alt genug, um das Ausmaß des Verlusts vollständig zu begreifen. Hinzu kam die öffentliche Debatte darüber, wie viel Eigenverantwortung ein 15-jähriges Mädchen in einem System trägt, das von Erwachsenen kontrolliert wird. Viele Beobachter sahen Kamila als Opfer des Systems – eines Systems, das Kinder zu Hochleistungsmaschinen formen, aber nicht immer schützen kann.

Entwicklung

Trotz allem ließ Kamila Walijewa den Sport nicht los. Bereits während ihrer Sperre nutzte sie eine Sondergenehmigung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, um im Sommer 2024 bei einer Eisshow in Sotschi aufzutreten – ein Zeichen, dass ihr Feuer für das Eis nicht erloschen war. Sie blieb im Training, arbeitete weiterhin an ihrer Technik und ihrem künstlerischen Ausdruck.

Im Januar 2026, nach Ablauf ihrer Sperre im Dezember 2025, verkündete sie in den sozialen Netzwerken ihr offizielles Comeback mit den Worten: „Freunde, ich habe eine Nachricht für Euch: Ich kehre auf das große Eis zurück.“ Im Februar 2026 bestritt sie bei den russischen Meisterschaften in Moskau ihren ersten Wettkampf nach fast vierjähriger Pause und erreichte das Halbfinale. Es war ein kraftvolles Signal: Kamila Walijewa ist zurück.

Ihr aktuelles Kurzprogramm der Saison 2025/2026 ist auf das melancholische russische Lied „Tired Sun“ (Расставание / Утомленное солнце) von Гетера gesetzt – ein Programm, das von Choreograph Nikita Mikhailov erarbeitet wurde und emotional wie eine Metapher für ihre eigene Lebensgeschichte wirkt.

Zukunft

Die Zukunft von Kamila Walijewa ist offen – aber voller Möglichkeiten. Mit gerade einmal 19 Jahren (Stand 2026) hat sie noch ein ganzes sportliches Leben vor sich. International ist sie aufgrund des russischen Banns vom IOC vorerst von Olympischen Spielen ausgeschlossen, solange russische Athleten unter Neutralitätsbedingungen starten müssten. Doch innerhalb Russlands und bei internationalen Showveranstaltungen kann sie zeigen, was in ihr steckt.

Viele Sportexperten sind überzeugt, dass Kamila Walijewa das technische Können besitzt, um erneut auf Weltklasseniveau zu laufen. Ihre Sprungkraft, ihre musikalische Sensibilität und ihre Bühnenpräsenz sind unbestritten. Was sie nun hinzugewonnen hat, ist etwas, das kein Training der Welt lehren kann: Tiefe, Reife und die Fähigkeit, Schmerz in Kunst zu verwandeln. Ob sie jemals Olympiagold trägt oder nicht – Kamila Walijewa hat die Welt des Eiskunstlaufs bereits für immer verändert.

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