Bonnie Bianco – bürgerlich Lory Lynn Bianco – ist eine US-amerikanische Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin, die in den 1980er Jahren zu einem der strahlendsten Sterne der europäischen Musikwelt aufstieg. Sie wurde am 19. August 1963 in Greensburg, Pennsylvania, USA geboren und wuchs in einer Familie mit starker Affinität zu Kunst und Unterhaltung auf. Ihr bürgerlicher Name Lory Lynn Bianco begleitete sie durch ihre frühen Karrierejahre, bevor sie von der Musikindustrie in eine Kunstfigur verwandelt wurde, die Millionen von Fans in Europa – vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz – in ihren Bann zog.
| Künstlername/n: | Bonnie Bianco, Lory Bianco |
| Geboren als: | Lory Lynn Bianco |
| Geboren am: | 19.08.1963 in Greensburg (Pennylvania) |
| Staatsangehörigkeit: | Amerikanisch |
| Schwester: | Holly Ann Bianco |
Bereits in jungen Jahren zeigte sich Biancos musikalische Begabung. Mit gerade zehn Jahren stand sie erstmals auf der Bühne. Zusammen mit ihrer Schwester Holly Ann Bianco gründete sie das Gesangsduo „Bianca Sisters“ und trat bei lokalen Konzerten, Festivals und Veranstaltungen auf. Das Duo nahm 1978 erste Songs auf, darunter „Give Me a Minute“ und „Long Long Time“. Doch schon bald entschied sich Holly, ihr Leben dem Glauben zu widmen und zog sich vom Showbusiness zurück – ein Schritt, der Lory zwar allein ließ, aber ihre Entschlossenheit für eine Solokarriere nur noch festigte.
Vita
Der entscheidende Wendepunkt in Biancos Leben kam Anfang der 1980er Jahre. Die Brüder Guido und Maurizio De Angelis – besser bekannt als das Produzenten-Duo Oliver Onions – entdeckten die junge Amerikanerin in Hollywood und luden sie nach Italien ein, wo sie eine internationale Karriere aufbauen wollten. Gegen ihren ausdrücklichen Willen bestanden die Produzenten darauf, ihren Künstlernamen zu ändern: Aus Lory Lynn wurde „Bonnie Bianco“ – ein Name, den sie selbst nie besonders mochte, der sie aber weltweit bekannt machen sollte.
Wo ist Bonnie Bianco?
Ihr erstes Album „Bonnie Bianco“ erschien 1982 in Italien und legte den Grundstein ihrer Karriere. Wenig später trat sie in der populären Cabaret-Show „Al Paradise“ auf, wo sie regelmäßig als Stammgast auftrat und das italienische Publikum begeisterte. Das Nachfolgealbum „Un’Americana a Roma“ präsentierte sie sowohl in englischer als auch in italienischer Sprache – ein Zeichen ihrer Vielseitigkeit und ihrer Bereitschaft, sich vollständig auf die europäische Musikwelt einzulassen.
Schauspielauftritte
Parallel zur Musikkarriere entwickelte sich Bonnie Bianco zu einer gefragten Schauspielerin im europäischen Fernsehen. 1983/1984 übernahm sie die weibliche Hauptrolle in dem sechsteiligen italienischen TV-Mehrteiler „Cinderella ’80“ (in Deutschland bekannt als „Cinderella ’87“), einer modernen Neuinterpretation des Märchens Aschenputtel. Als Cindy Cardone spielte sie an der Seite des französischen Schauspielers Pierre Cosso, der aus dem Kultfilm „La Boum 2″ bekannt war. Der Mehrteiler wurde in Italien sofort zum Erfolg und erlebte 1987 seine Ausstrahlung im deutschsprachigen Fernsehen – mit explosiver Wirkung.
1986 folgte der zweite TV-Mehrteiler „Molly O“, in dem Bianco die Rolle der Nicky Foster übernahm. Auch dieser Film war eine Koproduktion und unterstrich ihre Stellung als vielseitige Darstellerin, die Gesang und Schauspiel überzeugend zu verbinden wusste. Im Laufe ihrer Karriere hatte sie zudem kleinere Auftritte in amerikanischen Produktionen: So war sie 1994 in „Blue Chips“ (mit Nick Nolte) und 1996 in „The Truth About Cats & Dogs“ zu sehen – beide Male in uncredited Nebenrollen, was ihren damaligen Aufenthalt in den USA und den Versuch einer Hollywood-Karriere widerspiegelt.
Debütsong
Den ersten internationalen Durchbruch feierte Bonnie Bianco nicht mit einem Solo-Song, sondern mit einem Duett: „Stay“ – aufgenommen gemeinsam mit Pierre Cosso als Titelsong des TV-Mehrteilers „Cinderella ’80“. Der Song war ursprünglich 1984 in Italien veröffentlicht worden, blieb dort aber ohne großes Aufsehen. Als jedoch „Cinderella ’87“ im März 1987 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, entfachte er einen regelrechten Massenrausch: Die Single stieg am 9. März 1987 in die deutschen Charts ein und schoss bereits eine Woche später auf Platz 1 – wo sie sich insgesamt 17 Wochen lang hielt. In Österreich erreichte „Stay“ Platz 3 (16 Wochen in den Charts), in der Schweiz Platz 2 (11 Wochen).
Der Erfolg von „Stay“ war für die Beteiligten selbst überraschend – Bianco ahnte davon zunächst nichts, da sie damals in den USA lebte. Innerhalb kürzester Zeit erhielt sie einen Plattenvertrag mit Metronome (später Universal/Vivendi) und wurde zur Ikone der deutschsprachigen Teenie-Popkultur der späten 1980er Jahre.
Entwicklung
Der Erfolg von „Stay“ katapultierte Bonnie Bianco ins Rampenlicht des deutschsprachigen Markts. Im Mai 1987 erschien das Album „Just Me“, an dem sie erstmals auch als Songwriterin beteiligt war. Die daraus ausgekoppelte Single „Miss You So“ erreichte Platz 9 in den deutschen Charts – ein weiterer Beweis, dass sie mehr war als ein Eintagsphänomen. Konzerte, Fernsehauftritte und eine wachsende Fangemeinde in Deutschland, Österreich und der Schweiz machten sie zu einem der meistdiskutierten Stars ihrer Ära.
1988 folgte das Album „Bonnie“, gefolgt von weiteren Singles. Doch wie so viele Künstler, die ihr Publikum hauptsächlich über ein bestimmtes TV-Format gewonnen hatten, kämpfte Bianco mit der Frage nach einer langfristigen künstlerischen Identität. Die Plattenindustrie setzte auf das bewährte Teen-Pop-Format, während Bianco selbst zunehmend eigene kreative Akzente setzen wollte. In den frühen 1990er Jahren wurden die Veröffentlichungen seltener und bestanden überwiegend aus Kompilationen bereits bekannter Songs.
1997 nahm sie ein Duett mit Rocker Chris Norman auf: „Send a Sign to My Heart“ – ein Projekt, das jedoch nicht als eigenständige Single, sondern nur auf Normans Album erschien. Ende der 1990er Jahre gründete Bianco schließlich ihr eigenes Label „Power Records“ und nutzte die aufkommenden Möglichkeiten des Internets zur Direktvermarktung. Das 2001 erschienene Album „On My Own… But Never Alone“ war ihr erstes vollständig selbst geschriebenes und produziertes Werk – ein Statement künstlerischer Unabhängigkeit, das sie damit erstmals vollständig als Autorin ihrer eigenen Geschichte zeigte.
Genre – Musikstil
Bonnie Biancos Musikstil der 1980er Jahre ist klar im europäischen Teen-Pop und Soft-Pop der Ära verortet – geprägt von eingängigen Melodien, romantischen Texten und einem warmen, zugänglichen Klang, der sowohl jugendliche als auch erwachsene Hörer ansprach. Ihre Stärke lag in der gefühlvollen Interpretation von Balladen, die durch ihre klare, reine Stimme eine besondere emotionale Tiefe erhielten. Songs wie „Stay“ und „Miss You So“ sind typische Vertreter dieses Stils: leicht, romantisch, unvergesslich.
Mit dem Album „Just Me“ (1987) begann Bianco, sich von der reinen Produzenten-Ware zu lösen und eigene Songwriting-Qualitäten einzubringen. Ihre Musik entwickelte sich hin zu einem erwachseneren, reflektierteren Pop, der Einflüsse aus Adult Contemporary und leichtem Rock-Pop aufnahm. Das Spätwerk „On My Own… But Never Alone“ (2001) zeigte schließlich eine vollkommen eigenständige Künstlerin, die Poesie, persönliche Lebensthemen und musikalische Reife miteinander verband.
Rückzug aus dem Musikbusiness wegen Gott
Das Jahr 2001 markierte einen radikalen Einschnitt in Biancos Leben – ausgelöst durch ein welterschütterndes Ereignis. Im Herbst 2001 war Bonnie Bianco zur Promotion ihres neuen Albums „On My Own… But Never Alone“ nach Deutschland gereist. Nach Abschluss ihrer Reise flog sie am Abend des 10. September 2001 zurück in die USA. Am nächsten Morgen – dem 11. September 2001 – wurden die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York verübt.
Das Erlebnis traf Bianco mit aller Wucht. Die Bilder der Zerstörung, der Tod von Tausenden Menschen und die erschütterte Welt, in der sie erwachte, hinterließen einen tiefen seelischen Eindruck, den sie selbst als lebensprägendes Erweckungserlebnis beschrieb. Die unmittelbare Nähe des Ereignisses – sie hatte die USA einen Tag vor dem Anschlag erreicht – verstärkte das Gefühl, an einem persönlichen Scheideweg zu stehen.
Bonnie Bianco entschied sich daraufhin, keine Popmusik mehr aufzunehmen. Ihr neuer Weg führte sie zu ihrem christlichen Glauben: Stattdessen widmete sie ihr musikalisches Schaffen vollständig der christlichen Musik und Kirchenhymnen. Im Oktober 2012 veröffentlichte sie das selbst verlegte Album „Jesus Paid It All“ – ein Hymnenwerk, das den Abschluss ihrer Transformation zur christlichen Musikerin markierte. Sie lebt seither im pazifischen Nordwesten der Vereinigten Staaten, pflegt eine enge Verbindung zu ihrer weltweiten Fangemeinde und ermutigt Menschen, niemals aufzugeben.
Aus dem glitzernden Teenie-Star von 1987 war eine Frau geworden, die ihre Stimme in den Dienst ihres Glaubens gestellt hatte. Ein Weg, der ungewöhnlich und mutig war – aber konsequent.
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