Der Eurovision Song Contest 2022 in Turin hat dieses Jahr maßgeblich enttäuscht. Das liegt vor allem an der neuen politischen Ausrichtung, die am Ende dafür sorgte, dass der Gewinner nicht aufgrund seines musikalischen Talents gekürt wurde. Somit war der große Gewinner am Abend keine Überraschung. Wir hätten es der ukrainischen Band Kalush Orchestra (siehe Titelbild) gegönnt, wenn sie denn mit ihrer Musik überzeugt hätten. Auch die Meinungen im Netz bestätigen dieses. Viele Zuschauer fühlen sich betrogen und sehen die Auswertung als unfair an. Mehr dazu in unserem kurzen Fazit zur Finalshow.
Das war der ESC Abend 2022 in Turin
Die Sonne strahlte und doch gab es schon den ersten Ärger am Nachmittag beim ESC in Turin. . Die Generalprobe stand kurzzeitig unter einem schlechten Stern, als plötzlich laute Buhrufe ertönten. So konnte Måneskin, die Gewinner vom ESC 2021, plötzlich nicht auftreten. Ihr neuer Hit Supermodel wurde zwar eingespielt, auf der Bühne waren aber nur Tänzer zu sehen. Die Bandmitglieder fehlten. Das Publikum war damit gar nicht einverstanden. Allerdings gab es einen guten Grund. Der Måneskin Sänger Damiano David hatte zuvor einen Unfall und musste noch gestern an einer Krücke gehen. Doch die gute Stimmung wollte sich niemand verderben lassen und so verschallten schon nach wenigen Sekunden die Buhrufe.
Impressionen aus dem ESC Finale 2022 in Turin:
Gegen späten Abend am Samstag standen die Vorjahressieger Måneskin als Interval Act dann aber doch auf der Bühne, auch wenn Damiano David immer noch leicht humpelte. Nach dem Durchlauf spielten sie ihren neuen Song Supermodel (nicht den Siegertitel Zitti e buoni) vor Tausenden Zuschauern in Turin. Die Moderatoren Laura Pausini, Alessandro Cattelan und Mika begleiteten gewohnt lässig und souverän mit dem Motto The Sound Of Beauty durch den Abend. Das Pausenprogramm wurde mit weiteren Medleys abgerundet. Das Bühnenbild war sowohl bei den Halbfinale-Shows, als auch beim Finale an italienische Gärten angelehnt. Die axiale Geometrie und die typische Symmetrie hielt ins Bühnenbild Einzug. Beim Sound Of Beauty -als Motto- ging es darum, den Klang der Schönheit zu visualisieren.
Über 200 Millionen Menschen sollen das Finale in Turin live vom Fernseher verfolgt haben. 2021 waren es nur 183 Millionen.
Der Gewinner
Die Band Kalush Orchestra aus der Ukraine haben den 66. Eurovision Song Contest mit 631 Punkten gewonnen. Vor allem beim Zuschauer Voting gab es viele Punkte, die am Ende den Künstlern zum Sieg verholfen. Die eigentliche Künstlerin aus der Ukraine Alina Pash wurde zuvor zum Rücktritt bewegt, näheres dazu findet Ihr in unserem weiteren Artikel. So entschied sich das Land für den Zweitplatzierten, Kalush Orchestra. Zum weiteren Skandal kam es, als Russland vom ESC ausgeschlossen wurde.
Zweitplatzierter wurde Sam Ryder aus Großbritannien mit Space Man. Für seinen Auftritt bekam er 466 Punkte. Dich gefolgt von Chanel aus Spanien, die mit SloMo 459 Punkte bekam.
ESC 2022 Turin – Gesamtergebnisse
Platz Punkte Land Künstler Titel
1 631 Ukraine Kalush Orchestra Stefania
2 466 Großbritannien (UK) Sam Ryder Space Man
3 459 Spanien Chanel SloMo
4 438 Schweden Cornelia Jakobs Hold Me Closer
5 312 Serbien Konstrakta In corpore sano
6 268 Italien Mahmood & Blanco Brividi
7 253 Moldau Zdob și Zdub & Fraţii Advahov Trenuleţul
8 215 Griechenland Amanda Georgiadi Tenfjord Die Together
9 207 Portugal Maro Saudade, saudade
10 182 Norwegen Subwoolfer Give That Wolf A Banana
11 171 Niederlande S10 De Diepte
12 151 Polen Ochman River
13 141 Estland Stefan Hope
14 128 Litauen Monika Liu Sentimentai
15 125 Australien Sheldon Riley Not The Same
16 106 Aserbaidschan Nadir Rustamli Fade To Black
17 78 Schweiz Marius Bear Boys Do Cry
18 65 Rumänien WRS Llámame
19 64 Belgien Jérémie Makiese Miss You
20 61 Armenien Rosa Linn Snap
21 38 Finnland The Rasmus Jezebel
22 38 Tschechische Republik We Are Domi Lights Off
23 20 Island Systur Með hækkandi sól
24 17 Frankreich Alvan & Ahez Fulenn
25 6 Deutschland Malik Harris Rockstars
– – Israel Michael Ben David I.M
– – Georgien Circus Mircus Lock Me In
– – Montenegro Vladana Breathe
– – Nordmazedonien Andrea Circles
– – San Marino Achille Lauro Stripper
– – Österreich LUM!X & Pia Maria Halo
– – Lettland Citi Zēni Eat Your Salad
– – Slowenien LPS Disko
– – Irland Brooke That’s Rich
– – Dänemark Reddi The Show
– – Albanien Ronela Hajati Sekret
– – Kroatien Mia Dimšić Guilty Pleasure
– – Malta Emma Muscat I Am What I Am
– – Bulgarien Intelligent Music Project Intention
– – Zypern Andromache Ela
Blick auf die anderen Teilnehmer
Das Land Deutschland wurde durch Malik Harris vertreten, den viele als Sohn des ehemaligen SAT1 Moderators Ricky Harris kennen. Malik landete mit seinem Song Rockstars auf Platz 25. Von der Jury bekam er keinen einzigen Punkt, einzig beim Zuschauer Voting konnte er sechs Punkte ergattern. Aus Deutschland verfolgten über 7,3 Millionen Zuschauer über ARD und ONE das Geschehen am Samstagabend.
Amanda Georgiadi Tenfjord holte für Griechenland den achten Platz mit ihrem Song Die Together, der voller Melancholie von einer toxischen Beziehung erzählt. Für Frankreich startete das bretonische Frauentrio Alvan & Ahez mit ihrem Song Fulenn.- Einer Mischung aus Trance und Folk. Mit ihrer Interpretation landeten sie auf Platz 24, noch vor Deutschland.
Gehört Australien eigentlich zur EU?
Warum Australien beim Eurovision Song Contest dabei ist, wird oft gefragt. Der Grund ist einfach. Das Land durfte erstmalig zum 60. Jubiläum des Contests antreten (2015). Damit wurde Australien zum Mitglied der Europäischen Rundfunk Union und ist damit automatisch an der Teilnahme berechtigt. 2022 nahmen sie beim ESC in Turin mit Sheldon Riley statt, der mit seiner Ballade Not The Same auf Platz 15 landete.
Sheldon Riley (22 Jahre), mit bürgerlichen Namen Sheldon Hernandez, überzeugte mit schillernden Masken und Bühnenoutfits. Diese trägt er nicht nur wegen der Show, sondern, um seine Schüchternheit zu verbergen. Der Sänger leidet unter dem Asperger-Syndrom, schon alleine deshalb war sein gut performter Auftritt eine Sensation.
Impressionen aus dem Abend:
Fazit zum ESC in Turin
Der Gewinner der Show stand bereits im Voraus fest. Das allerdings hat nichts mit der künstlerischen Leistung als solches zu tun, sondern eher mit der politischen Einflussnahme, die von Anfang an durch den Eurovision Song Contest erfolgte und zu vielen Skandalen führte. Und das, obwohl der ESC in seinen Statuten festgelegt hat, das es sich um einen unpolitischen Contest handeln soll. Natürlich ist es für die ukrainische Gruppe Kalush Orchestra ein schönes Zeichen der Solidarität, aber eben kein Zeichen des musikalischen Talents. Auch für die anderen Teilnehmer dürfte die Enttäuschung groß gewesen sein, dass beim diesjährigen ESC nicht die Leistung zählt.
Fairerweise muss allerdings auch eingeworfen werden, das selbst wenn die Ukraine mit ihren musikalischem Talent überzeugt hätte, würde auch in diesem Fall der Schleier der politischen Abstimmung über der Band liegen. Die Ukraine konnte also so gesehen gar nicht gewinnen, auch wenn sie offiziell als Gewinner nach Hause gehen.
Rückblickend hätten wir uns einen ehrlichen und fairen -keinen scheinheiligen- Wettkampf gewünscht. Doch auch die letzten Jahre zeigten, dass häufig schon Absprachen bestanden, wodurch die Punkteabgabe beeinflusst wurde. Nun ist die Grenze dieses Jahr überschritten, es schaut nicht danach aus, als ob sich die Veranstalter des Eurovision Song Contests wieder auf ihre alten Werte besinnen werden und die Musik sowie Leidenschaft in den Vordergrund stellen.